Kurt Südmersen © 2008 - 2017 | Alle Rechte vorbehalten Design: ORCA-Institut für Konfliktmanagement und Training Aktualisiert am 04. Mai 2017
Was ist Zen ?
Zen-Historie von SoGen
Eine Geschichte des Zen zu schreiben, ist eigentlich ein absurdes Unterfangen – Zen ist seinem Wesen nach geschichtslos. Aber Zen hat auch die Form eines kulturgeschichtlichen Phänomens – und dieser Aspekt lässt sich durchaus beschreiben. Welchen Wert eine solche Beschreibung hat, ist eine Frage, die der Leser für sich selbst entscheiden muss. Bei dem, was sich beschreiben lässt, habe ich mich auf die Oberfläche beschränkt. Eine geistesgeschichtliche Analyse und Bewertung konnte und wollte ich nicht leisten – und so ist der folgende Text kaum mehr als eine Aneinanderreihung von Namen und Jahreszahlen. Auf Fußnoten mit Verweisen auf Belegstellen habe ich aus Bequemlichkeit und im Interesse besserer Lesbarkeit verzichtet – nicht, um den Eindruck einer eigenständigen Leistung erwecken. Ich erlaube mir, hier stellvertretend lediglich meine wichtigsten Quellen zu nennen: Heinrich Dumoulins ausgezeichnete „Geschichte des Zen-Buddhismus“ (deren Neuauflage seit Jahren überfällig ist) und „The History and Development of Korean Buddhism: A Brief Overview“ von A. Charles Muller. Ihnen und den anderen Quellen, aus denen ich geschöpft habe, gebührt der Verdienst – wenn denn diese Arbeit in irgendeiner Hinsicht verdienstvoll ist. Ich erhebe lediglich Anspruch auf die Fehler, die dieser Text zweifellos enthält.
0. Vorbemerkung
1. Vorgeschichte
Als Buddha einst auf dem Geierberg weilte, da hob er mit den Fingern eine Blume empor und zeigte sie der versammelten Schar. Damals schwiegen alle. Nur der ehrwürdige Kashyapa verzog sein Gesicht zu einem Lächeln. Da sprach der Erhabene: „Das wahre Dharma-Auge, den wunderbaren Geist des Nirvana, die formlose wahre Form, das geheimnisvolle Dharma- Tor, das nicht auf Worten und Buchstaben beruht, eine besondere Überlieferung außerhalb der Schriften, vertraue ich dem Mahakashyapa an“. So schildert das Mumonkan, eine klassische Sammlung von Koan (Zen-Anekdoten), den Ursprung der Zen-Überlieferung – einer Überlieferung ohne Worte. Alle Worte (und im Laufe der Jahrhunderte wurden viele Worte um und über Zen gemacht) dienen nur dazu, auf dieses unnennbare, wahre Dharma-Auge hinzuweisen. Auf den ‚ersten Patriarchen’ Mahakashyapa folgten 26 weitere als Nachfolger, darunter so bekannte Namen wie Ashvagosa, Nagarjuna und Vasubhandu, bis schließlich Bodhidharma, der 28. Patriarch, im Jahre 520 von Südindien nach China kam, um der erste chinesische Patriarch des Zen (chinesisch Ch’an) zu werden. Bodhidharma (460?-534?) wird als der eigentliche Gründer des Zen angesehen, und es gibt eine Unzahl von Legenden über ihn. Für den nüchternen Historiker ist er allerdings eine kaum greifbare Gestalt, manche bestreiten gar vollends seine Historizität. Die Wissenschaft führt heute die Entstehung der Ch’an-Schule eher auf eine Reformationsbewegung innerhalb des chinesischen Buddhismus zurück als auf eine einzelne Gründergestalt. Offensichtlich richtete sich diese Reformation gegen eine in leeren Ritualen und intellektuellen Studien erstarrte Religion, wobei das Schwergewicht auf meditative Praxis gelegt wurde – ‚Ch’an’ bzw. das japanische ‚Zen’ sind jeweils die einheimische Aussprache des Sanskrit-Wortes ‚Dhyana’, meditative Versenkung. Buddhistische Meditation war in China durchaus nichts Neues - es gab berühmte Meditationsmeister wie An Shih-kao (um 150), Tao-an (312-385) und Hui-yüan (334-416) – doch in ihrer radikalen Ausrichtung auf die Erfahrung der Erleuchtung und in den angewandten ‚Techniken’, in ihrem ‚Lehrstil’, war die Ch’an-Schule etwas Besonderes.
Weiterlesen (PDF-Datei) Weiterlesen (PDF-Datei)